BEFORE begleitet eine Betroffene des „OEZ-Attentates“

Während des rechtsradikalen Anschlags am Olympia-Einkaufszentrum am 22. Juli 2016 wurde Frau M. durch mehrere Schüsse an den Beinen verletzt. Durch die physischen aber auch die psychischen Verletzungen, die sie an diesem Tag erlitt, war Frau M. dauerhaft beeinträchtigt. Ihre gesamte Familie war ebenfalls vor Ort und hatte die Ereignisse miterleben müssen.

Frau M. wandte sich Anfang 2017 an BEFORE. In den ersten Gesprächsterminen, in denen die Betroffene das Erlebte schilderte, wurde deutlich, dass sie und ihre Familie in den unterschiedlichsten Lebensbereichen Hilfe benötigten. Im Rahmen der entwickelten Vorgehensweise für eine ganzheitliche Unterstützung konnten ihr, ihrem Ehemann und ihren Kindern, die durch die Folgen des Attentates betroffen sind, konkrete Hilfen angeboten werden. BEFORE vermittelte so unter anderem Kontakte zu passenden Therapeut*innen und Ärzt*innen und begleitet die Betroffenen weiterhin auf ihrem Weg der Rehabilitation, u.a. zu Terminen in der Schmerzambulanz.

Ein direkter Austausch mit den verschiedensten Behörden, u.a. dem ZBFS [1] ist in vielen Beratungsprozessen unerlässlich. Da in der Ausnahmesituation, in der sich die Betroffenen auch in diesem Fall befanden, selbst bei vermeintlich einfachen Behördengängen eine Begleitung notwendig ist, hat BEFORE die Betroffenen auch im Umgang mit der Krankenkasse und den Möglichkeiten des Opferentschädigungsgesetz unterstützt.

Der Prozess gegen den Waffenlieferanten des rechtsradikalen Attentäters, der insgesamt neun Menschen ermordete, begann im August 2017 vor dem Landgericht München. Besonders mit Blick auf die immer noch ausstehende Anerkennung der rechtsradikalen, ideologischen Hintergründe des Anschlages durch die Behörden erhofften sich die Betroffenen durch den Prozess weitere Informationen über die genauen Umstände der Tat. Der Prozess zeigte, dass sie zum Ziel einer Tat wurden, deren menschenverachtende Botschaft sich an die ganze Gesellschaft richtete: Der Täter, welcher vorher bereits wegen seiner rechtsradikalen Ansichten aufgefallen war, wählte die Opfer gezielt nach rassistischen Gesichtspunkten aus.

BEFORE vermittelte Frau M. einen Anwalt, damit sie als Nebenklägerin aktiv am Prozess teilhaben konnte und begleitete sie zu den Verhandlungsterminen. Sie nahm an zwei Gerichtsterminen selbst teil und zeigte so als Betroffene im Gerichtssaal Präsenz. Die Beratungsstelle verfolgte den gesamten Prozess für die Betroffenen, berichtete über den Stand des Verfahrens und trat in der Öffentlichkeit als ein Sprachrohr für die Anliegen und Fragen aus Betroffenenperspektive auf.

Die Beratungsstelle organisierte für interessierte Betroffene des OEZ-Attentates einen Informationsabend, zu dem Mitarbeiter*innen des Bundesamtes für Justiz eingeladen wurden, um über die Möglichkeiten der finanziellen Hilfeleistungen in Härtefällen zu sprechen. Dadurch konnten Frau M. und ihre Familie einen Antrag auf Härtefallleistung stellen, welcher in der Folge auch bewilligt wurde. Diese Gewährung, welche überwiegend auch als Anerkennung aufgefasst wird, war für die Betroffenen umso wichtiger, da Behörden und Staatsregierung den Anschlag bis heute offiziell nicht als rechte Tat einstufen.

BEFORE begleitet Frau M. und ihre Familie bis heute im Umgang mit den Folgen des rechten Anschlags. Nach zweieinhalb Jahren sind die Spuren der fürchterlichen Gewalttat psychisch sowie physisch weiter spürbar – die Beratungsstelle wird sie so lange unterstützen wie Bedarf besteht.

Durch die, über einen langen Zeitraum angebotene Unterstützung durch BEFORE wurde für Frau M.- aber auch für weitere Betroffene und Hinterbliebene des OEZ-Attentats- ein Angebot geschaffen, welches ihnen langfristige Hilfe und Stabilisierung anbietet und auch für etwaige Spätfolgen ansprechbar ist. Im Falle des OEZ-Attentats ist der Bedarf nach Unterstützung bei Einzelnen auch nach fast drei Jahren weiterhin vorhanden.

 [1] Das „Zentrum Bayern Familie und Soziales“ (ZBFS) ist eine bayerische Landesbehörde für soziale Leistungen.

Foto: Olympia-Einkaufszentrum by Gamsbart, Wikimedia, CC BY 3.0 DE